Schifffahrtskaufleute - Unser Feld ist die Welt

Schifffahrtskaufleute sind in der Regel bei Reedereien oder Schiffsmaklern beschäftigt. Sie nehmen alle Funktionen wahr, die bei der Organisation nationaler und internationaler Transporte von Gütern, die eine Seestrecke beinhalten, erforderlich sind. Sie sind ebenso zuständig für Aktivitäten im Bereich der Fähr- und Fahrgastschifffahrt. Ihre Geschäftspartner sind Spediteure, Exporteure, Handelshäuser bzw. andere Reeder und Schiffsmakler. Ihre Dienstleister können praktisch alle am Seeverkehr Beteiligten sein: Umschlagsbetriebe, Lotsen, Schlepper, Schiffshändler, Klassifikationsgesellschaften, Berufsgenossenschaften aber auch staatliche Institutionen wie Wasserschutzpolizei, Ausländerbehörden und Hafenverwaltungen.

Die Ausbildung der Schifffahrtskaufleute dauert drei Jahre und genießt weltweit ein hohes Ansehen. Für die Absolventen ergeben sich nach dem Ausbildungsende eine Vielzahl von beruflichen Möglichkeiten. Neben der Tätigkeit bei einer Reederei gehört der Beruf des Schiffmaklers zu den traditionsreichen Tätigkeiten in der Schifffahrtsbranche. Schiffsmakler ist der Sammelbegriff für maritime Dienstleister in den Bereichen Linienagentur, Schiffsbefrachtung, Schiffsklarierung und Schiffsankauf/-verkauf. Außerdem vermittelt der Schiffsmakler Verträge über Bunker, Schleppdienste, Ladungsumschlag, etc.

Wer sich fragt, was macht ein Schiffsmakler, kann die Antwort hier finden: https://www.youtube.com/watch?v=vtN1SBJD73Q

Linienagent

Der Linienagent (liner agent) ist im Sinne des Handelsgesetzbuches (vgl. §§ 86 ff) „Handelsvertreter“, der als selbstständiger Kaufmann Frachtverträge für den Verfrachter vermittelt und in dessen Namen abschließt. Für seine Tätigkeit erhält er eine Kommission auf die Seefracht der verladenen bzw. gelöschten Güter. Der Linienagent ist der örtliche Vertreter eines oder mehrerer in- und ausländischer Linienreeder, deren Schiffe seinen Hafen regelmäßig bedienen. Er steht in einem ständigen, zeitlich unbefristeten Auftragsverhältnis, das durch einen Agenturvertrag geregelt wird (ein Standard-Agenturvertrag wird von der FONASBA herausgegeben). Die Hauptaufgabe des Linienagenten ist die Ladungsakquisition, die im Hinterland und in den Seehäfen erfolgt. Teilweise betreiben Linienagenten eigene Betriebsstätten im Inland. Zu den Aufgaben des Linienagenten gehört außerdem die Bearbeitung der Schifffahrtsdokumente, das Frachtinkasso, die Schiffsabfertigung, d.h. die Koordinierung der Umschlagsarbeiten, die Klarierung und der Daten- und Informationsaustausch mit dem Reeder und Agentenkollegen in anderen Lade- bzw. Löschhäfen. Ganz allgemein obliegt dem Linienagenten die vertrauensvolle Wahrnehmung der Interessen seines Auftraggebers. In der Containerfahrt übernimmt der Linienagent nicht nur die Organisation der Güterbeförderung von „Hafen zu Hafen“, sondern zum Teil auch die der Transportkette „von Haus zu Haus“, d.h. er organisiert den Vor- und Nachlauf der zu ladenden bzw. der gelöschten Container.

Einen Einblick in die Berufswelt geben die folgenden Filme:
http://www.azubot.de/berufe/12043/schifffahrtskaufmann-fr-linienfahrt

https://www.youtube.com/watch?v=w36YOuDXFY4

Befrachtungsmakler

Der Befrachtungsmakler (chartering broker) ist ein rechtlich selbstständiger Kaufmann, der den Abschluss von Reise- oder Zeitcharterverträgen zwischen Befrachter und Verfrachter (Reeder) vermittelt. Oft haben Befrachtungsmakler, die als exclusive Vertreter des Befrachters tätig werden (charterers broker), bestimmte Ladungen (Erz, Getreide) fest an der Hand. Wenn sie überwiegend für einen Verfrachter tätig sind (owners broker), haben sie dessen Schiffe „am Kontor“, d. h. sie suchen speziell für die Schiffe dieses Verfrachters eine Beschäftigung. Die unabhängigen Makler (competitive broker) sind hingegen frei im Markt tätig. Sie fungieren als Vermittler zwischen den Befrachtern, die für ihre Ladung Schiffsraum suchen und den Verfrachtern (Reedern), die für ihre Schiffe Beschäftigung suchen. Oft sind sogar mehrere Makler am Zustandekommen eines Abschlusses beteiligt. Der Befrachtungsmakler leitet nicht nur die Schiffs- und Ladungsbeschreibungen weiter, sondern alle maßgeblichen Offerten/Gegenofferten und informiert die Parteien über Art und Umfang des Geschäfts. Besonderheiten des Fahrtgebiets und der Häfen aber auch die Zuverlässigkeit der beteiligten Vertragspartner werden berücksichtigt und bewertet. Frachtverträge liegen in der Regel als Formularverträge, wie sie z.B. von der BIMCO empfohlen werden, in standardisierter, gedruckter Form vor. Allerdings werden diese Formularverträge in jedem Einzelfall durch individuelle Vereinbarungen zwischen Verfrachter und Befrachter in vielfältiger Weise verändert und ergänzt. Es zählt zu den vorrangigen Aufgaben des Befrachtungsmaklers, einen solchen Individualvertrag einvernehmlich zu erstellen. Entsprechend unterbreitet er den beiden Vertragsparteien im Rahmen der jeweiligen Vertragsverhandlungen Formulierungsvorschläge und weist ggf. auf die vertraglichen Auswirkungen einzelner Klauseln hin, bevor letztlich der Frachtvertrag (charter party) gezeichnet wird. Mit dem Abschluss des Chartervertrages ist allerdings die Arbeit des Befrachtungsmaklers noch nicht beendet. Er verfolgt die Position des Schiffes bis zur Ladebereitschaft bzw. Anlieferung und betreut den Verfrachter oder Befrachter während der gesamten Reise- oder Charterdauer bis zum Löschende bzw. zur Rücklieferung des Schiffes. Ebenso gilt es als normaler Service, den Zahlungsverkehr zwischen den Vertragsparteien zu überwachen. Kommt es während der Vertragsdauer zu Unstimmigkeiten, ist es die Aufgabe des Befrachtungsmaklers, als unabhängiger Dritter sachkundig zu vermitteln. Die Vergütung eines Befrachtungsmaklers besteht aus einer Provision, die auf die Bruttofracht und eventuell entstandenes Überliegegeld (demurrage) oder das Zeitcharterentgelt berechnet wird.

Klarierungsagent

Klarieren ist ein typisch seemännischer Ausdruck und bedeutet so viel wie „klarmachen“ . Der Klarierungsagent (port agent) ist normalerweise der erste, der im Hafen nach Einlaufen des Schiffes an Bord geht, und der letzte, der von Bord geht, wenn das Schiff den Hafen verlässt. Er kümmert sich neben der administrativen Abfertigung von Schiffen mit den Behörden, wie z.B. Zoll und Wasserschutzpolizei, vor allem um Abstimmungsprozesse zwischen den Ladungsbeteiligten (Ablader/Empfänger) und dem Reeder. Wie der Linienagent ist auch der Klarierungsagent Vertreter des Reeders. Er steht dem Kapitän mit seinen Kenntnissen über die örtlichen Gegebenheiten zur Seite. Seine Aufgaben sind ebenso vielfältig wie umfangreich.

An- und Verkaufsagent

Der An- und Verkaufsmakler (sale and purchase broker) ist ein einspezialisierter Schifffahrtskaufmann, dessen Tätigkeit mit der eines Immobilienmaklers vergleichbar ist. Er betreibt als unabhängiger Makler das An- und Verkaufsgeschäft von Alttonnage (second hand tonnage) sowie das Platzieren von Neubaukontrakten (newbuilding contracts). In diesem Rahmen zeigt er Finanzierungsmöglichkeiten auf und vermittelt diese. Normalerweise wendet sich der kauf- oder verkaufswillige Reeder an einen An- und Verkaufsmakler und beauftragt diesen, Käufer oder Verkäufer zu finden. Der An- und Verkaufsmakler wird aber häufig auch ohne Auftrag tätig, indem er auf günstige An- und Verkaufsgelegenheiten hinweist. Kaufmännische und technische Spezialkenntnisse sowie enge Kontakte zu Reedereien, Werften, Emissionshäusern, Banken und allen weiteren an der Schifffahrtsindustrie Beteiligten sind für diese Tätigkeiten unerlässlich. Es gibt nur einige wenige Unternehmen, die sich ausschließlich auf den An- und Verkauf von Schiffen spezialisiert haben.

Lehrbuch "SEE - SCHIFF - LADUNG"

Das Fachbuch SEE - SCHIFF - LADUNG, herausgegeben vom Verband Deutscher Reeder e.V. und dem Zentralverband Deutscher Schiffsmakler e.V., ist das Grundlagenwerk für Schifffahrtskaufleute, Makler und Praktiker in Reedereien, Hafen, Finanzwirtschaft und Logistik.

Leider ist die aktuelle Auflage vergriffen. Derzeit wird an einer Neuauflage gearbeitet.

Wir hoffen, bis zum Sommer eine Neuauflage vorlegen zu können.